Shamonda-like Virus beim Pferd

Das diesen Sommer bei Rindern zirkulierende Shamonda-like Virus ist erstmals bei zwei verstorbenen Pferden nachgewiesen worden. Damit könnte eine Ursache für die vermehrt gemeldeten neurologischen Symptome identifiziert sein. Noch sind jedoch viele Fragen offen, besonders auch zu Therapie und Prävention. Auch der Nachweis des Virus am lebenden Tier ist noch nicht gelungen.

25.08.2026

Aus der ganzen Schweiz sind seit Ende Juli den beiden Pferdekliniken der Vetsuisse-Fakultät, dem Institut Suisse de Médecine Equine (ISME) der Universität Bern und der Pferdeklinik des Universitären Tierspitals Zürich, Pferde mit neurologischen Symptomen gemeldet worden. Die Suche nach der Ursache verlief länger ergebnislos, bekannte infektiöse Erreger konnten ausgeschlossen werden. Nun hat das Institut für Virologie und Immunologie IVI in Kooperation mit der Vetsuisse-Fakultät der Universität Bern das in den letzten Wochen bereits bei Rindern auftretende Shamonda-like-Virus im Hirnmaterial zweier Pferde nachgewiesen.

Der Nachweis gelang dem IVI an Hirnproben zweier verstorbener Tiere – eines aus Zürich und eines aus Bern. Dies, nachdem die Abteilung Neurologische Wissenschaften der Vetsuisse-Fakultät Erbgut des Virus gefunden hatte. Die Infektion eines Pferdes mit einem Orthobunyavirus der Simbu-Serogruppe, zu der dieses neue Virus gehört, wurde in Europa bis anhin noch nie beschrieben. Es wäre jedoch eine plausible Erklärung für die vermehrt aufgetretenen neurologischen Symptome. Ein Nachweis am lebenden Tier ist bis anhin noch nicht gelungen. Es können derzeit lediglich Verdachtsdiagnosen aufgrund der klinischen Befunde und mittels Ausschlusses anderer Ursachen gestellt werden. Das IVI arbeitet mit Hochdruck an einer entsprechenden Diagnostik.

Betroffene Pferde können zum jetzigen Zeitpunkt nur symptomatisch behandelt werden. Die Übertragung erfolgt nach heutigem Wissensstand durch Gnitzen, durch kleine blutsaugende Mücken. Ein konsequenter Mückenschutz senkt daher die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung.

Noch sind viele Fragen offen. In Zusammenarbeit mit dem IVI arbeitet die Vetsuisse-Fakultät institutsübergreifend an beiden Standorten intensiv daran, die Auswirkungen des Virus und die Krankheitsentstehung beim Pferd besser zu verstehen. So soll möglichst bald Klarheit herrschen, ob dieses Virus die Ursache der jüngst vermehrt auftretenden Symptome ist.

Symptomatik

Betroffene Pferde wirken zu Beginn häufig teilnahmslos und abgeschlagen. Im weiteren Verlauf können neurologische Ausfälle auftreten mit ausgeprägter Schläfrigkeit und Koordinationsstörungen, so dass sie unsicher gehen oder schwanken. Zusätzlich können Muskelzuckungen und eine übermässige Empfindlichkeit auf Berührung oder andere Reize auftreten. Zum Teil zeigen betroffene Pferde Gleichgewichtsstörungen mit einer schiefen Kopfhaltung, unwillkürlichen Augenbewegungen, Schielen und sehr unsicherem Gang. Bei einem Teil der Pferde scheint die Erkrankung mild zu verlaufen und sich wieder zu bessern. Andere Tiere entwickeln jedoch schwere neurologische Symptome, die eine Euthanasie erforderlich machen.

Rückfragen

Bitte beachten Sie: Der aktuelle Wissensstand ist auf dieser Website abgebildet. Zurzeit haben wir keine weitergehenden Informationen. Wenn es gesicherte Neuigkeiten gibt, werden wir die vorliegenden Informationen ergänzen.

Besitzerinnen und Besitzer von Pferden wenden sich bei Fragen an ihren Tierarzt oder ihre Tierärztin.

Tierärztinnen und Tierärzte melden sich bei einem Verdachtsfall vor einer allfälligen Überweisung bei der ISME Pferdeklinik Bern (031 684 22 43) oder bei den Pferdekliniken in Zürich (044 635 81 15).

Bitte melden Sie entsprechende Fälle als «Fall ohne Diagnose» und unter Angabe der beobachteten Symptomatik sowie der bisher vorliegenden Testresultate bei Equinella.

Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte entweder an die Medienstelle der Universität Bern oder an jene der Universität Zürich. Fachfragen zum Virus nimmt das Institut für Virologie und Immunologie IVI entgegen.