Headshaking

Trigeminus-mediiertes Headshaking – was ist das überhaupt und was wissen wir darüber?

 

Trigeminus-mediiertes Headshaking (TMHS) ist eine Erkrankung bei Pferden, die sich durch unkontrollierbare, meist vertikale Kopf- und Halsbewegungen, nasale Irritation und andere Symptome von Stress und Schmerz manifestiert.

Bei Pferden, bei denen keine anderen Erkrankungen wie Zahnprobleme, Schmerzen am Bewegungsapparat oder Augenprobleme als Ursache festgestellt wurden, steht der für die Gesichtssensibilität verantwortliche Nerv (Nervus trigeminus) im Verdacht, diese Symptome zu verursachen. In einer Studie an Pferden unter Vollnarkose wurde festgestellt, dass dieser Nerv bei erkrankten im Vergleich zu gesunden Pferden eine viel tiefere Reizschwelle aufweist und man geht somit von einer Hypersensibilisierung (vermehrter Erregbarkeit, d.h. Reaktion auf nur minimale Stimuli) des Nerven aus.

In aktuellen Studien konnten wir neue, nicht-invasive Methoden testen, um die Nervenfunktion auch am wachen Pferd zu testen und Aufschluss über die Empfindsamkeit von betroffenen Pferden zu erhalten. Gerade in Fällen, in denen unklar ist, ob ein Pferd wirklich von TMHS betroffen ist, können diese Methoden wertvolle Einblicke liefern.

Aktuell sind weitere Forschungsprojekte zum Thema Headshaking geplant, um hoffentlich in Zukunft mehr Hintergrundwissen über die Ursachen oder genaue Entstehung der Erkrankung zu erhalten. Gleichzeitig arbeiten wir an der Entwicklung neuer Therapiemethoden, um betroffenen Pferden zukünftig nachhaltig helfen zu können.

Sie haben ein Pferd mit Headshaking?

 

Sollten Sie ein Pferd haben, welches an Headshaking leidet, bietet die ISME Pferdeklinik Bern eine umfangreiche Abklärung – auch in Zusammenarbeit mit Ihrem Privattierarzt – an, um möglichen Ursachen auf den Grund zu gehen.

Neben der Anamneseerhebung und der Beurteilung der Pferde nach einem speziell für Headshaking entwickelten Scoring System (dem sogenannten «History, Rest and Exercise Score») umfasst die Abklärung eine vollständige klinische Untersuchung (inkl. neurologische, orthopädische und ophthalmologische Untersuchung), vollständige Blutuntersuchung, Maulhöhlenuntersuchung, Endoskopie der oberen Atemwege inklusive Luftsäcke und bildgebende Untersuchung des Schädels (Computertomographie/CT, stehend unter Sedation oder unter Vollnarkose).

Neu kann auch die Nervenfunktion mittels kürzlich an der ISME Pferdeklinik Bern evaluierter, neuer Untersuchungsmethoden weiter abgeklärt werden:

  • Quantative Sensory Testing – Beurteilung der Gesichtssensibilität
    Diese Methode wird in der Humanmedizin bereits seit längerem verwendet für die Diagnose von neurologischen Defiziten (Neuropathien, Schmerzsyndrome, Überempfindlichkeit). Hierbei werden die Schwellenwerte für die taktile, mechanische und thermische Reizschwelle im Gesichtsbereich gemessen, was Aufschluss über eine mögliche Überempfindlichkeit geben kann.
  • Trigemino-cervicaler Reflex
    Bei dieser Methode wird der Nervus trigeminus elektrisch stimuliert und der dadurch erzeugte Reflex (trigemino-cervicaler Reflex) durch die Aufzeichnung der Aktivität der Halsmuskulatur dargestellt. Je kleiner der elektrische Stimulus sein muss, um den Reflex auszulösen, umso höher ist die Erregbarkeit des Nerven. Pferde mit Headshaking weisen eine höhere Erregbarkeit des Nervus trigeminus auf.

 

Basierend auf den Resultaten der Untersuchungen beraten wir Sie über mögliche Therapieoptionen für Ihr Pferd.

 

Kontakt

Bei Fragen zum Thema Headshaking oder sollten Sie ein betroffenes Pferd haben, informieren wir Sie gerne unverbindlich telefonisch oder per E-Mail.

isme.bern.vetsuisse@unibe.ch

031 684 22 43

Publikation über Headshaking